#officefood 2 - schwingt das Nudelholz!

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Ich habe mich da wieder in etwas hineingesteigert. Eigentlich hatte ich nur vorgehabt, mir am nächsten Tag ein paar Nudeln ins Büro mitzunehmen. Pardon, “nur ein paar Nudeln” sind es ja nie. Erstens sagt man seit 20 Jahren schon Pasta dazu, was den simpelsten Nudelgerichten sofort den Klang von Gourmetküche verleiht, und zweitens können die einfachsten Pastagerichte eine herrliche Angelegenheit sein. Mein Heimweg nach der Arbeit machte dem schlichten Vorsatz einen Strich durch die Rechnung. Ich bin eine moderne Frau, ich habe Verantwortung und einen Vollzeitjob. Und deshalb sitze ich den ganzen Tag vor dem Computer. Also habe ich trockene Augen und mein Thromboserisiko ist höher, als das meiner Großmutter. Vor einiger Zeit habe ich begonnen, von der Arbeit zu Fuß nach Hause zu gehen, im Stechschritt, bei egal welchem Wetter. Es ist ein neues Lebensgefühl. Nicht nur, dass es den Bewegungsapparat in Schwung hält, ich laufe dabei durch mein Lieblingsviertel - jedes Mal gehe ich ein bisschen anders und jedesmal entdecke ich dabei neue Seiten einer Gegend, die ich seit dreißig Jahren bereits zu kennen glaubte. So wackelte ich also auch an diesem Abend heimwärts, dachte über meine Abendplanung nach und über Bärlauch. Der hat gerade Saison. In der Auslage eines kleinen balkanischen Gemüsehändlers, an der ich vorbeikam, lag er büschelweise neben einer Kiste kleiner, violetter Artischocken. Unweigerlich ging ich mental alle möglichen Aggregatszustände durch, in denen man diese knoblauch-zwiebeligen Blättchen verzehren kann und blieb bei der hängen, die ich meinen chinesischen Freunden zu verdanken habe: in diesen typischen gedämpften Teigklösschen, für die man den Teig am besten selbst macht, und in die man in China anscheinend alles hineinpackt, was die Jahreszeit oder die eigenen Bestände gerade hergeben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Ich hatte noch zwei kleine knackige Zucchini zu Hause, die heute Abend den Vortritt bekommen sollten. Lediglich der Gedanke an Nudelteig, der sich mit den chinesischen Klösschen eingeschlichen hatte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Als ich das nächste Mal aufsah, stand ich vor meinem Lieblingsmetzger und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Natürlich, heute mache ich Lasagne!

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Es gibt nichts einfacheres, als Nudelteig selbst herzustellen. Es gibt auch kaum ein archaischeres Rezept. Ich stelle mir gerne vor, wie Urmenschen zerriebene Körner mit Wasser vermanschten und daraus auf einem Stein ihre ersten Fladen buken, während sie auf einem Stück luftgetrockneten Pflanzenfresser herumkauten und dem nervigen Nebenmann einen grossen Röhrenknochen über die Rübe brieten.. Man vermischt also zu fast gleichen Teilen Mehl und Wasser, haut sich das auf die bemehlte Arbeitsfläche und fängt an, es zu kneten. Eine furchtbare Angelegenheit. Alles klebt an den Fingern, wie Kaugummi im Hochsommer an Schuhsohlen. Also fängt man an, ein wenig Mehl nachzulegen. Und noch ein bisschen. Und wer dann der Versuchung nachgibt, das ganze frustriert in den Müll zu schmeißen, dem entgeht etwas gar herrliches, und die Erkenntnis, wie einfach man es durch schnellen Eigenbau jederzeit bekommen kann. Denn plötzlich greift das Gluten (Klebereiweiss des Weizens), der Teig wird geschmeidig, elastisch und lässt sich schön kneten, was man auch ausgiebig machen sollte. Dann lässt man ihn ein Weilchen in Ruhe und kümmert sich um den ganzen Rest. Für meine kleine Lasagne bin ich mit 150g Mehl und 120ml Wasser gestartet und habe im ganzen Prozess bestimmt noch einmal 50g Mehl hineingearbeitet. . Später habe ich den Teig in fünf Teile geteilt und daraus mit dem Nudelholz fünf runde Teigblätter ausgewalkt. Man kann sie hauchdünn auswalken und mit den Händen noch dehnen und in die richtige Form ziehen, ohne dass der Teig reißt. Eines war mir etwas zu groß geraten, so habe ich den Rest, der mir überstand, neu ausgewalkt und in Streifen geschnitten. Diese Bandnudeln trocknen jetzt in meiner Küche (auf einem sauberen Geschirrtuch) und wandern in die nächste Minestrone..

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imageSpontane Zucchini-Salsiccia-Lasagne

(auf dem Bild sind eigentlich schon alle Ingredienzien zu sehen - dazu kommt noch die Béchamel sowie der geriebene Käse zum überbacken)

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Zutaten für 4 Personen

Für den Nudelteig:

  • 150-200g Mehl 
  • 120-150ml Wasser 

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Meine Béchamel-Sauce:

  • 2EL Sonnenblumenöl 
  • 1 gehäufter EL Mehl 
  • 300ml Milch (ca. - die Béchamel sollte nicht zu dickflüssig sein) 
  • Salz, Pfeffer, frisch geriebene Muskatnuss. 

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Zucchini-Salsiccia-Sugo:

(zugegeben, die feine Salsiccia, die ich in Florenz immer frisch vom Metzger geholt hatte und deren Brät in der italienischen Alltagsküche multiple Verwendung findet, treibe auch ich hier selten auf. Deshalb trickse ich immer und brate das Schweinehackfleisch mit zerstossenen Fenchelsamen an, um das gewünschte Aroma zu erhalten)

  • 1kl. rote Zwiebel 
  • 1 Knoblauchzehe 
  • 1 frischer Rosmarinzweig 
  • 200g Schweinehack 
  • 1TL Fenchelsamen 
  • 2-3 Zucchini 
  • Salz, Pfeffer, etwas Öl zum anbraten 

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  1. Nudelteig nach obiger Beschreibung herstellen. 
  2. Béchamel. (Die mache ich immer nach Gefühl, so dass ich die Mengenangaben hier grob schätzen musste. Nächstes Mal wiege ich sie nach, versprochen!) Etwas Öl in einem Topf erhitzen, einen gehäuften Esslöffel dazu, schnell mit Kochlöffel verrühren, damit es keine Klumpen gibt, dann in wirklich kleinen Portionen die (am besten heiße) Milch einrühren, bis die Sauce die Konsistenz dicker Sahne hat. Dann beiseite stellen. 
  3. Zwiebel Würfeln, Knoblauch und Rosmarin fein Hacken und Fenchelsamen grob im Mörser zerstoßen. Zucchini in Scheiben schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen, Fenchelsamen darin kurz anbraten, Hackfleisch dazu und eben falls kurz anbraten, Zwiebeln, Knoblauch und Rosmarin hinein, mit Pfeffer und Salz abschmecken und das ganze eine Weile bei mittlerer Hitze dünsten. Dann die Zucchini darüber, einen Schuss Weißwein dazu, wenn man gerade einen da hat, Deckel drauf und dünsten, bis die Zucchini gerade gar aber noch bissfest sind. Alles gut vermischen und weg vom Feuer. 
  4. Kleine Auflaufform (bei mir aus Glas und ca. 20cm Durchmesser) buttern und mit Semmelbröseln bestreuen. Etwas Sugo hinein, das erste Nudelblatt drüber (es muss keineswegs ganz glatt darauf liegen), dann Sugo, Béchamel, geriebener Käse, Nudelblatt, Sugo….etc Schichten, oben mit Nudelblatt und darauf Béchamel und geriebenem Käse abschließen. 
  5. Im vorgeheizten Ofen bei 200°C ca 45min backen. Man kann sie natürlich gleich essen, Lasagne lässt sich aber auch wunderbar in der Mikrowelle aufwärmen, weshalb sie als #officefood prädestiniert ist. 

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Die vermeintlich kleine Portion hätte locker für vier gereicht. Zu dritt haben wir es aber auch geschafft.. image

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